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Die Welt des neunjährigen Icare, genannt "Pflaume", ist
seltsam. Sein Vater ist mit einer Pute auf Weltreise und der
Himmel ist an allem Schuld. Wegen des Himmels fühlen sich die Menschen
klein und unbedeutend, und die Wolken pinkeln nur Pech auf die Menschen.
Das zumindest ist es, was eine Mutter ihm erklärt, wenn sie wieder zuviel
getrunken hat und einen Grund braucht, ihren Sohn zu verprügeln. Normalerweise
geht Pflaume davon aus, dass seine Mutter Unsinn redet, weil sie zu tief
ins Glas geschaut hat. Nur eine einzige Sache nimmt er sehr ernst: Der
Himmel ist schuld und muss sterben.
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Leider trifft es versehentlich Pflaumes Mutter, als der Junge ihren
Revolver findet und versucht, den Himmel zu erschießen. Ohne Vater landet
Pflaume im Waisenhaus, wo er erstmals andere Menschen kennen lernt, die die
Welt mit seinen Augen sehen können. Als eine Welt, in der die Erwachsenen
scheinbar alle blind und blöd sind, gemessen an dem Unsinn, den sie den
Kindern erzählen. Was heißt da zum Beispiel, ein Fluss habe Arme?
Pflaume beginnt, aus den verstörten Kindern im Heim eine verschworene Gemeinschaft
zu machen, die sich selber hilft, weil ihnen niemand anders hilft. Mit
seinem entlarvenden Blick auf die Welt der Erwachsenen findet der Junge, nein,
finden letztendlich alle, das, was sie immer vermisst haben: eine Familie,
die Liebe zu sich selbst und zu anderen, und den Mut, sich dem Leben zu
stellen. Und Pflaume findet sogar die wahre große Liebe, und in dem –
nahezu unvermeidlichen - klischeehaften verwitweten Polizisten, der ihn
nach dem Tod seiner Mutter fand, sogar einen neuen Vater.
"Autobiographie einer Pflaume" ist ein herrliches Buch über das
Kindsein, mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten. Nostalgie pur für
jeden, der als Kind jemals der Außenseiter war. Ich war es immer. Dieses
Buch zu lesen war, als würde ich mich mit dem ganzen Schmerz des unverstandenen
Kindseins auf ein gewaltiges Daunenkissen werfen und hemmungslos
hineinheulen, bis alles wieder gut ist. Es war wie eine Zeitreise in meine
emotionalen Nöte, die ich als Kind ausstehen musste. Nur dass diesmal ein
Weg aus dem Tal der Tränen hinausführt.
Auch der alles durchdringende Humor des Buchs ist ein wenig so, dass man nicht
recht weiß, ob man weinen oder lachen soll. Die Entscheidung hängt letztlich
davon ab, ob man sich mit seinen eigenen Fehlern, die man als Kind gemacht
hat, und die man sich später nie verziehen hat, umgehen lernt, oder nicht.
Ich persönlich habe während der Lektüre feststellen müssen, dass sich das
Lachen immer mehr durchgesetzt hat. Und am Ende einem Schmunzeln wich, mit
dem ich mir so erwachsen vorkam wie lange nicht...
Samar Ertsey
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