“Amélie
ist der Hunger“. Ein Satz der in Zeiten des Schlankheitswahns
und Essstörungen fast jeden die Augenbrauen heben lässt, mit einem
allwissendem "Aha" auf den Lippen. Doch hier geht es nicht nur ums
Essen. Hunger ist mehr.
"Hunger
ist Wollen". Hunger ist Streben. Hunger ist leben wollen und
eine Welt, Kultur oder Mensch ohne Hunger ist innerlich Tod. Ich
verrate damit nichts vorweg, sondern präsentiere nur die Theorie
die Amélie im ersten Kapitel vorstellt und anhand ihres eigenen
persönlichen Hungers, der sie durch ihre Kindheit bis ins frühe
Erwachsenenalter begleitet, mit Beweisen unterlegt.
Doch es ist nicht nur eine Reise durch das Leben eines x-beliebigen
Kindes, sondern durch Amélie's Biographie - durch die Biographie
des Hungers. Der Hunger nach Geschichten, Süßem, Wasser,
Alkohol; der Hunger der Armut, des Luxus und der zerstörende
Hunger nach dem Hungern.
Amélie
Nothomb wurde 1967 als Tochter eines belgischen Diplomaten geboren
und verbrachte ihre meiste Kindheit und Jugend in Fernost. Auf diese
"Gourmet-Reise" kann man Amélie auf 200 Seiten im typischen
Diogenes Druck begleiten. Sie zeigt ihre persönliche Welt genau
so nackt und ohne Rechtfertigung wie ihre Romane. Nach der Biographie
des Hungers, hungert es mich nach mehr Amélie Nothomb und ich hoffe
niemals vom Leben gesättigt zu sein.
Marcella
Turner
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