Charlie Gordon, 32, ist geistig stark zurückgeblieben, praktisch schwachsinnig. Er arbeitet in einer Bäckerei und ist mit seinem Leben gar nicht so unzufrieden, trotz traumatischer Kindheit und Jugend und ständiger Verachtung durch die Gesellschaft. Die Arbeit und Unterkunft, die ihm der gütige Bäckereibesitzer Mr. Donner gibt, erspart ihm immerhin die Unterbringung in einer Anstalt.
Eine
neuartige Operation soll Charlie die Chance geben, ein neues Leben
zu beginnen – durch dieses Experiment, das bisher nur an der
Maus Algernon erfolgreich durchgeführt wurde, soll sich seine
Intelligenz deutlich steigern. Und die wissenschaftliche Pioniertat
gelingt tatsächlich: wie schon bei der Maus bessert sich auch
Charlies Verstand und Fähigkeit zur Problemlösung praktisch
täglich. Bald schon kann er Lesen und Schreiben und entwickelt
einen ungeheuren Wissensdurst. Und sogar seine Liebe zu einer intelligenten
Frau ist nicht mehr hoffnungslos.
Das
neue Verständnis für seine Umwelt hat aber nicht nur positive Folgen.
Erstmals in seinem Leben registriert er die Falschheit seiner Kollegen
und die Verachtung, die ihm seine eigene Familie stets entgegenbrachte.
Auch Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend, die der dumme
Charlie verdrängen konnte, kommen dem klugen Charlie sehr bitter
zu Bewusstsein. Die Neugier auf Welten des Wissens und der Gefühle,
die Charlie bisher verschlossen waren, und das Interesse an den
Veränderungen an sich selbst überwiegen jedoch diese tragischen
Erfahrungen.
Und
Charlies Intelligenz wächst unaufhörlich – bald wird er nicht nur
seinen Kollegen in der Bäckerei unheimlich, sondern auch den Wissenschaftlern,
die das Experiment an ihm durchführten, denn selbst ihnen ist Charlie
mittlerweile haushoch überlegen. Charlie muss feststellen, dass
ihm als Genie noch weit mehr Hass entgegenschlägt als in seinem
alten Leben als geistig Behinderter – denn nun erweckt er Neid durch
seine Erfolge. Als die durch die Operation ebenfalls extrem intelligent
gewordene Maus Algernon plötzlich deutliche Zeichen geistigen Verfalls
zeigt, wird Charlie eines klar: nicht nur sein altes Leben ist dahin,
auch sein Neues beginnt zu zerfallen, denn irgendetwas ist bei diesem
Experiment ganz fürchterlich schiefgelaufen...
Daniel
Keyes’ Meisterwerk des phantastischen Romans “Flowers
for Algernon“ erschien als Buchausgabe erstmals 1966 und wurde
1968 mit Cliff Robertson in der Hauptrolle verfilmt. Die deutschsprachige
Ausgabe des Romans trug wie der Film den Titel “Charly“.
Nun legt der Klett-Cotta Verlag eine bibliophile Neuausgabe unter
dem Originaltitel vor. Tja, was soll man zu diesem Klassiker noch
sagen? Ein ergreifendes menschliches Drama verpackt in einen spannenden
Roman in Tagebuchform, der den Leser zu jeder Zeit zu fesseln weiß.
Schlicht
und ergreifend ein absoluter Pflichttitel für jeden Freund
der phantastischen Literatur.
Stefan
Meduna
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