Bei Recherchen
zu einem Dokumentarfilm über deutsche Neonazis lernte der in Paris
lebende Filmemacher Winfried Bonengel den 1967 in Ost-Berlin geborenen
Ingo Hasselbach kennen und setzte ihn als Hauptfigur in seinem Dokumentarfilm
"Wir sind wieder da" ein. Genau wie in seinem Film "Beruf:
Neonazi" wendete Bonengel auch hier die nicht unumstrittene Methode
an, die Neonazis einfach ausreden zu lassen in der Hoffnung sie würden
sich dadurch selbst disqualifizieren.
Zumindest
bei Bonengel erreichte er damit einiges. Dieser fühlte sich in seiner
Umgebung ohnehin schon recht unwohl und die Wirkung des TV-Films
auf seine Umwelt (seine Mutter war völlig entsetzt von seinen Aussagen)
und auch auf sich selbst führte schließlich dazu, dass sich Hasselbach
aus der rechten Szene verabschiedete.
Seine dortigen Erfahrungen verarbeitete
Hasselbach gemeinsam mit Bonengel zu dem Buch "Die Abrechnung".
Insgesamt entstand dabei ein eher wirres Pamphlet, das Bonengel
als offenen Brief an seinem Vater anlegte, den er kaum kannte und
der ein hohes Tier in der SED war. Die Ursachen von Bonengels Kontakt
zur rechten Szene und seiner Faszination für gewalttätige Auseinandersetzungen
sucht der Leser vergebens. Recht interessant ist jedoch die Bedeutung
der Medien. Diese haben zwar durch die Ausstrahlung von Bonengels
Film erreicht, dass Hasselbach ausstieg. Doch Presseleute haben
auch keinerlei Probleme damit, hohe Beträge für Interviews mit Neonazis
zu zahlen und somit rechte Organisationen finanziell zu sanieren.
Ansonsten beschreibt das Buch meist sehr ausführlich wie blöd Hasselbachs
ehemalige Kameraden waren, ohne eine Erklärung zu liefern, warum
er es so lange in deren Nähe ausgehalten hat.
Das Buch erschien in zahlreichen Übersetzungen und erhielt in den
USA den seltsamen Titel "Führer Ex" unter dem Bonengel
auch einen Film drehte, der
eine sehr viel interessantere Auseinandersetzung mit dem Thema "Rechtsradikalismus"
darstellt als Bonengels Buch.
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