Das Wiedersehen
der beiden Freunde kam nach dreizehn Jahren ganz zufällig und
unerwartet, aber wie sehr haben sie sich doch in dieser Zeit verändert.
Nur fünfzehn Jahre ist es her, dass sie ihr Studium beendet haben
und eigentlich sind sie noch junge Männer, aber wie viel ist
in diesen Jahren geschehen! Die Schrecken der Vergangenheit haben
die Freunde frühzeitig altern lassen. Und doch, das Lachen haben
sie nicht verlernt… irgendwie ist es wie früher, aber irgendwie
ist es auch schrecklich anders.
Geschichten
aus dem Alltag in einem Land, in dem politische Verfolgung allgegenwärtig
ist, Geschichten von Erinnerungen an den geliebten Großvater,
Geschichten von der Liebe und von ganz normalen Menschen –
kurz: Glanzlichter der modernen chinesischen Literatur.
Als
Gao Xingjian im Jahr 2000 den Nobelpreis für Literatur erhielt,
war das für viele eine Überraschung, denn der chinesische
Autor war in unseren Breiten nicht allzu bekannt. Seit 1987 lebt
und arbeitet der Autor in Paris, nachdem er in seiner Heimat seit
der Kulturrevolution immer wieder unter Repressalien leiden musste.
Auch heute sind seine Werke in China verboten. Angesichts der Literaturnobelpreisträger
der letzten paar Jahre wie Jelinek und Co. muss man zwar ernsthaft
am Verstand der Jury zweifeln, mit Gao aber hat man ausnahmsweise
einen wirklich würdigen Autoren ausgezeichnet.
Fazit:
Diese Kurzgeschichtensammlung bietet einen wunderschönen Überblick
über das vielseitige Schaffen des Literaturnobelpreisträgers. Mein
persönlicher Favorit: "Regen, Schnee und anderes“. Vier der
elf Erzählungen sind bereits vor einiger Zeit unter den Titel „Auf
dem Meer“ als Fischer Taschenbuch erschienen. Einblicke in die Kultur
eines Landes, die uns immer noch viel zu fremd ist, und Geschichten
über Menschen, deren Träume und Sehnsüchte den unseren gar nicht
so unähnlich sind.
Stefan
Meduna
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