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HIPPIE SCHECK
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| Autor: |
T.
C. Boyle, Übersetzung Werner Richter |
| Titel: |
Drop
City |
| Originaltitel: |
Drop
City |
| Umfang: |
624
Seiten |
| Format: |
Taschenbuch |
| Preis: |
EUR
10,- |
| Verlag: |
dtv |
| ISBN: |
978-3423133647 |
| Website: |
www.tc-boyle.de |
"He Kleiner,
haste ma swansig Pfennich sum telefonieren, he?". Dieses Angeschnorre von
zugedröhnten Hippies nervte mich als Kind Ende der 70er Jahre tödlich. Als
12-13jähriger hasste ich diese "Erwachsenen" die uns nach der Schule
mit ihrem Gelalle auflauerten. 20 Pfenning waren für mich damals ein kleines
Vermögen. Taschengeld war knapp und für richtigen Luxus musste ich malochen -
Flaschenpfand sammeln, die Tengelmänner nach liegengelassenen Rabattmarken
abklappern, oder Oma Vollert aus dem dritten Stock die Einkaufstaschen
schleppen. Eine Menge Schweiß. Was mir die Hippie-Generation als erstes
beibrachte, war ihre Asozialität. Man lebte auf Kosten Anderer. Sozialhilfe,
Mamas oder Papas Schecks, Diebstahl um den Drogenkonsum zu finanzieren. Sie
erzählten etwas vom Leben in freier Liebe, Meditation und Solidarität - im
konkreten Leben lief das genaue Gegenteil ab.
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In seinem,
mittlerweile neunten Roman, bringt es Erfolgsautor T. C. Boyle ("Dr.
Sex") auf den Punkt. Boyle, Jahrgang 1948 war Teil der Hippie-Bewegung.
Noch heute merkt man bei Lesungen seinem Outfit die Sympathie für
die damalige Zeit an, aber Boyle war in seinen Romanen noch nie etwas
heilig. DROP CITY ist eine ungeschminkte Aufarbeitung der Flower-Power-Ära.
Die sogenannte freie Liebe, der hemmungslose Partnertausch, war wahrscheinlich
nichts als die Erfindung von irgendeinem Freak mit Pickeln und widerlich
fettigem Haar, der einfach nie jemanden zum vögeln finden würde, lässt
er bereits im ersten Kapitel eine seiner Romanfiguren sagen. Treffender
hätten es auch die Feministinnen nicht ausdrücken können.
Oberguru Norm hat in Kalifornien eine Farm mit
Land geerbt und eröffnet dort die Hippie-Kommune DROP CITY um seine Utopie
eines anderen Lebens umzusetzen. Die Mehrzahl der dort ansässigen Drop Outs
kümmert sich allerdings, im wahrsten Sinne des Wortes, einen Scheiß um das
soziale Miteinander. Es ist eine Minderheit die niedere Tätigkeiten wie
Kochen, Waschen, Putzen, für Nahrungsmittel sorgen oder den Gemüseanbau
ausführt. Der Rest hängt locker ab, schnorrt sich durch, müllt das Land zu
und scheißt überall hin, wo sich noch ein freies Plätzchen findet. Kein
Eigentum für Niemand, stiehlt man dem Hippiekumpel sogar das Toilettenpapier.
Eine Wende findet statt, als in der Kommune eine minderjährige Aufreißerin
vergewaltigt wird und ein kleines Kind aus Versehen einen LSD-Cocktail zu sich
nimmt.
An diesem Punkt des Romans setzt ein paralleler Erzählstrang ein, der in der
Wildnis Alaskas spielt. Hier führt der Trapper Sess in einer spartanischen
Blockhütte ein fast autarkes Leben mit Pam, die er über eine Kontaktanzeige
kennen gelernt hat und die von der städtischen Zivilisation die Nase voll
hat. Überschwänglich schildert Boyle die sommerliche Schatzkammer des weiten
Alaska. Jagen, Fischen und Sammeln - die Speisekammer muss für den harten
Winter gefüllt werden. Doch auch hier ist die Idylle durch Psychopathen
getrübt, die Sess und Pam ihr junges Glück nicht gönnen. Zu allem
Überfluss hat die Drop City-Kommune beschlossen die zugeschissene Farm in
Kalifornien zu verlassen und nach Alaska zu ziehen. "Wir zetteln da oben
eine Revolution an! Flower Power in der Tundra!", gibt Oberguru Norm als
Devise aus. Das Ende dieser Magical Mystery Tour findet im 50 Grad kalten
Winter Alaskas statt. Das Gesetz der Wildnis heißt "Pack an, oder zieh
Leine". Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Schmarotzer gehen
unter und hier schafft Boyle in seiner furiosen Erzählung auch ein
versöhnliches Ende. Beide Lebensformen, promiske Kommune vs. konservative
Zweibeziehung lernen voneinander. Die wahre Revolution kommt durch die Natur,
die unsere Lebensumstände immer bestimmen wird.
G. N.
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