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1990 veröffentlichte Rolf Wilhelm Brednich, damals Professor
für Völkerkunde an der Universität Göttingen, sein Buch “Die Spinne
in der Yucca-Palme“. Von dieser Sammlung mit “sagenhaften Geschichten
von heute“ wurden mittlerweile eine knappe halbe Million Exemplare
verkauft und Brednich veröffentlichte Fortsetzungen mit Titeln
wie “Die Maus im Jumbo-Jet“ (1991) oder “Das Huhn mit dem Gipsbein“
(1993).
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In diesen Büchern sammelte Brednich moderne Alltagslegenden,
die sehr gerne weitererzählt und meist auch geglaubt werden. Doch
wenn nachgeforscht wird, weiß doch keine so genau, wer den nun
dieser Freund eines Freundes ist, dem in Marokko die Ehefrau oder
in Südamerika die Niere abhanden gekommen ist. Gegen die Exaktheit
von Bredernichs Sammlungen spricht die Tatsache, dass ihm auch
schon einmal eine Szene aus einem Film wie “Die nackte Kanone“
(Frank Drebins Klobesuch wird direkt in en Festsaal übertragen)
als Alltagslegende untergejubelt wurde. Doch seine Bücher schärfen
den Blick für so manche seltsame Geschichte, die ansonsten problemlos
geglaubt wurde.
Mittlerweile widmet
sich Brednich mehr der Fliegenfischerei in Neuseeland als den
modernen Mythen, doch acht Jahre nach seinem letzten Buch “Die
Ratte am Strohhalm“ lässt er es noch einmal krachen. Seine “brandneuen
sagenhaften Geschichten von heute“ setzten sich u. a. mit Verschwörungstheorien
um den 11. September auseinander und er prophezeit, dass das Internet
Gerüchten noch weiter Vorschub leisten wird. Wie wichtig seine
Arbeit ist, zeigt die völlig erfundene Geschichte um eine Afrikanerin,
die sich in Nürnberg ihre Friseurrechnung in Höhe von 35,- DM
vom Sozialamt bezahlen ließ. Trotzdem gefiel die Story einem Münchner
CSU-Politiker so gut, dass er versuchte sein politisches Süppchen
damit zu kochen. Dies jedenfalls dürfte (leider) keine “sagenhafte“
Geschichte sein.
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