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Die Mutter aller Schatzinseln heißt Isla de Coco (Kokosinsel)
und liegt etwa 300 Seemeilen vor der Küste Costa Ricas. Dort
soll 1821 der so genannte Kirchenschatz von Lima, von einem Kapitän
namens Thompson versteckt worden sein. Thompson und seine Mannschaft
waren von den Spaniern eigentlich mit dem Transport des Schatzes
beauftragt worden, konnten aber der Versuchung nicht widerstehen
und raubten diesen. Als die Täter gefasst wurden, war der
Schatz weg. Die Mannschaft behauptete steif und fest ihn auf einer
Kokosinsel versteckt zu haben und endete am Galgen. Kapitän
Thompson konnte fliehen.
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Ab jetzt begeben wir uns Reich der Spekulationen. Angeblich wurde
der Schatz von einem Vertrauten Thompsons 1846 auf der Isla de
Coco geborgen. Bewiesen ist das allerdings nicht. Seit über
200 Jahren fehlt jede Spur vom Kirchenschatz mit seiner sagenhaften
Goldmadonna. Was Schatzjäger nicht hinderte, sich seitdem
durch die Isla de Coco zu wühlen und zu sprengen. Allerdings
mit sehr mageren Ergebnissen. Ebenso Spekulation ist es, das Robert
L. Stevenson 1881 in einer, logisch düsteren Hafenkneipe
in San Francisco von der Kokosinsel erfahren haben soll, und dann
aus diesem Garn seinen Klassiker "Die Schatzinsel" strickte.
Stevenson bestritt immer wieder, dass seine Schatzinsel einen
realen Hintergrund haben könnte. Was natürlich auch
wieder stutzig macht, wenn Einer etwas so vehement abstreitet.
An dieser Stelle stutzte offensichtlich auch der Autor Alex Capus.
1889 reiste der lungenkranke Stevenson nämlich mit seiner
ganzen Familie auf die Samoas und ließ sich dort 1890 endgültig
nieder. Warum tat er das? War doch dort das tropisch feuchte Klima
absolut abträglich für Stevensons Gesundheit. Alex Capus
vermutet, dass es die Schatzinsel tatsächlich gab und Stevenson
diese auch gekannt hat.
Es war allerdings nicht die eingangs erwähnte Isla de Coco vor
Costa Rica, sondern ein ganz anderes Cocos Eylandt, das heutige
Tafahi, zwischen dem Inselreich Tonga und Samoa gelegen. Dorthin
soll Kapitän Thompson seinerzeit mit seiner Beute gesegelt
sein, um sie in Sicherheit zu bringen. Und Stevenson soll sich
deshalb auf Samoa angesiedelt haben, um den Schatz auf Tafahi
zu bergen.
Alex Capus Vermutung hat allerdings einen Haken. War Kapitän
Thompson mit seiner "Mary Dear" vielleicht 200 Tage
auf See, um von Lateinamerika in die Südsee und auch wieder
zurück zu gelangen und sich dort dann verhaften zu lassen?
Schwer vorstellbar. Auch wenn uns Capus die legendären Fahrten
von Thor Heyerdal als Zeitmassstab vorrechnet.
Nichts desto trotz liest sich "Reisen im Licht der Sterne" ganz hervorragend.
Von der ersten bis zur letzten Seite ist man fasziniert von der
neuerlichen Jagd nach dem verborgenen Schatz. Alex Capus "Vermutung"
liest sich fast wie eine Fortsetzung von Stevensons "Schatzinsel",
die ja auch vielleicht einmal als Fortsetzungsgeschichte geplant
war. Wir erinnern uns an Stevensons Romanschluss - dem Schurken
Long-John-Silver gelingt die Flucht und jede Menge Barrensilber
bleibt auf der Schatzinsel zurück. Vielleicht hat Alex Capus ja
eines Tages Lust um für uns Leser dort hin zu segeln und auch
noch ein weiteres, geheimes Versteck zu finden. Stevenson selbst
hatte keine Zeit mehr dazu. Er lebte leider nur noch 4 Jahre auf
Samoa und verstarb 1894.
G.
N.
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