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Die wahre Schatzinsel?

 

 

Autor:

Alex Capus

Titel:

Reisen im Licht der Sterne - Eine Vermutung

Originaltitel:

-

Umfang:

234 Seiten

Format:

Hardcover / Schutzumschlag

Preis:

EUR 18,-

Verlag:

Knaus

ISBN:

3-8135-0251-1

Website:

www.randomhouse.de/knaus/ 



Die Mutter aller Schatzinseln heißt Isla de Coco (Kokosinsel) und liegt etwa 300 Seemeilen vor der Küste Costa Ricas. Dort soll 1821 der so genannte Kirchenschatz von Lima, von einem Kapitän namens Thompson versteckt worden sein. Thompson und seine Mannschaft waren von den Spaniern eigentlich mit dem Transport des Schatzes beauftragt worden, konnten aber der Versuchung nicht widerstehen und raubten diesen. Als die Täter gefasst wurden, war der Schatz weg. Die Mannschaft behauptete steif und fest ihn auf einer Kokosinsel versteckt zu haben und endete am Galgen. Kapitän Thompson konnte fliehen.

 

    

 


Ab jetzt begeben wir uns Reich der Spekulationen. Angeblich wurde der Schatz von einem Vertrauten Thompsons 1846 auf der Isla de Coco geborgen. Bewiesen ist das allerdings nicht. Seit über 200 Jahren fehlt jede Spur vom Kirchenschatz mit seiner sagenhaften Goldmadonna. Was Schatzjäger nicht hinderte, sich seitdem durch die Isla de Coco zu wühlen und zu sprengen. Allerdings mit sehr mageren Ergebnissen. Ebenso Spekulation ist es, das Robert L. Stevenson 1881 in einer, logisch düsteren Hafenkneipe in San Francisco von der Kokosinsel erfahren haben soll, und dann aus diesem Garn seinen Klassiker "Die Schatzinsel" strickte. Stevenson bestritt immer wieder, dass seine Schatzinsel einen realen Hintergrund haben könnte. Was natürlich auch wieder stutzig macht, wenn Einer etwas so vehement abstreitet.

An dieser Stelle stutzte offensichtlich auch der Autor Alex Capus. 1889 reiste der lungenkranke Stevenson nämlich mit seiner ganzen Familie auf die Samoas und ließ sich dort 1890 endgültig nieder. Warum tat er das? War doch dort das tropisch feuchte Klima absolut abträglich für Stevensons Gesundheit. Alex Capus vermutet, dass es die Schatzinsel tatsächlich gab und Stevenson diese auch gekannt hat.

 

    

 

Es war allerdings nicht die eingangs erwähnte Isla de Coco vor Costa Rica, sondern ein ganz anderes Cocos Eylandt, das heutige Tafahi, zwischen dem Inselreich Tonga und Samoa gelegen. Dorthin soll Kapitän Thompson seinerzeit mit seiner Beute gesegelt sein, um sie in Sicherheit zu bringen. Und Stevenson soll sich deshalb auf Samoa angesiedelt haben, um den Schatz auf Tafahi zu bergen.

Alex Capus Vermutung hat allerdings einen Haken. War Kapitän Thompson mit seiner "Mary Dear" vielleicht 200 Tage auf See, um von Lateinamerika in die Südsee und auch wieder zurück zu gelangen und sich dort dann verhaften zu lassen? Schwer vorstellbar. Auch wenn uns Capus die legendären Fahrten von Thor Heyerdal als Zeitmassstab vorrechnet.

Nichts desto trotz liest sich "Reisen im Licht der Sterne" ganz hervorragend. Von der ersten bis zur letzten Seite ist man fasziniert von der neuerlichen Jagd nach dem verborgenen Schatz. Alex Capus "Vermutung" liest sich fast wie eine Fortsetzung von Stevensons "Schatzinsel", die ja auch vielleicht einmal als Fortsetzungsgeschichte geplant war. Wir erinnern uns an Stevensons Romanschluss - dem Schurken Long-John-Silver gelingt die Flucht und jede Menge Barrensilber bleibt auf der Schatzinsel zurück. Vielleicht hat Alex Capus ja eines Tages Lust um für uns Leser dort hin zu segeln und auch noch ein weiteres, geheimes Versteck zu finden. Stevenson selbst hatte keine Zeit mehr dazu. Er lebte leider nur noch 4 Jahre auf Samoa und verstarb 1894.

G. N.

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