Wir befinden uns im Jahre 1316 des Trigon. 300 Jahre sind mittlerweile nach den entsetzlichen Schlachten von Kaltgraumoor vergangen, in denen die Armeen der Menschen des Kontinents Eion, der Elben und des Zwielichtvolks, der Qar, aufeinanderprallten. Nach den schrecklichen Kämpfen wurde das Grenzland in vier Marken aufgeteilt, die Nordmark, die Südmark, die Ostmark und die Westmark, die alle jedoch dem Königreich der Südmark unterstanden. Bis zum heutigen Tage herrscht das ruhmreiche Haus Eddon in der Südmark, bildet die einzige verbliebene Großmacht des Kontinents und stellt den König der Markenlande.
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Kaum
etwas hat sich in der langen Zeit des trügerischen Friedens geändert,
die Schattengrenze der Südmark bildet die Grenze der derzeit bekannten
Welt. Menschen oder Schiffe, die die Schattengrenze passierten,
wurden nie wieder gesehen. Wegen dieser von unheimlichen Legenden
umwobenen Schattengrenze wird die Südmark im Volksmund auch die
Schattenmark – Shadowmarch - genannt. Doch die Schattengrenze ist
keineswegs unpassierbar, und neue dunkle Wolken ziehen über Eion
auf… der Nebelwall, der die Schattengrenze bildet, beginnt sich
ins Landesinnere zu verschieben und der König der Markenlande kehrt
von einer Reise nicht mehr zurück. Unversehens liegt die Regierungsverantwortung
bei den Kindern des Königs, den erst fünfzehnjährigen Zwillingen
Barrick und Briony Eddon. Die unbeschwerte Kindheit der beiden endet
unvermittelt und unerwartet und schreckliche Herausforderungen warten
auf die halben Kinder. Auch eine düstere Prophezeiung lässt nichts
Gutes für die Markenlande und sein Königshaus erwarten…
Ursprünglich
hatte Tad Williams die Shadowmarch-Saga als Internet-Veröffentlichung
geplant, kapitelweise wurde der Text ins Internet gestellt und konnte
gegen eine Gebühr heruntergeladen werden. Wie andere Versuchsprojekte
dieser Art scheiterte auch dieses an der mangelnden Akzeptanz bei
den potentiellen Lesern, so beendete Williams das Projekt vorzeitig
und brachte den ersten Teil des auf drei Bände angelegten Romans
nun auf die vielleicht altmodische, aber sicherlich weitaus handlichere
Weise heraus – als Buch.
Tad
Williams wird zuweilen mit Altmeister J.R.R. Tolkien verglichen,
man mag nun von diesem Vergleich halten, was man will, gemessen
an Umfang und Detailreichtum der Werke ist er zumindest zutreffend.
Williams bietet dem staunenden Fantasy-Fan ein gigantisches, in
sich geschlossenes Universum mit hunderten Charakteren, ausführlichen
Landkarten und einer umfangreichen fiktiven Geschichtsschreibung.
Was dem einen als erzählerische Stärke erscheinen mag,
wird der Andere vielleicht als unübersichtlich empfinden. Allerdings
erleichtert ein ausführlicher Anhang mit ausführlichen
Auflistungen von Namen, Orten und Dingen das Zurechtfinden im Shadowmarch-Universum.
Optisch
wartet der Band buchbinderisch mit feiner Ausstattung wie Lesebändchen
und Silberprägung auf, einen gigantischen Wermutstropfen müssen
die Shadowmarch-Fans bei der deutschen Ausgabe allerdings schlucken:
die exzellenten Illustrationen von Maurizio Manzieri und Matt Rhodes,
die die Kapitel bei ihrer Internetveröffentlichung nicht unerheblich
bereichert haben, sucht man in der Buchausgabe leider vergebens.
Fazit:
Gewaltiges neues Fantasy-Epos, das vorzüglich zu unterhalten
weiß. Für Fans von Tad Williams auf jeden Fall eine Pflichtlektüre,
Gelegenheitsleser könnten sich durch den gewaltigen Umfang
des Werkes und seine stellenweise Langatmigkeit sowie durch die
bisweilen übertrieben bombastische Sprache bald gelangweilt
fühlen. Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine der besten
und vielversprechendsten Fantasy-Veröffentlichungen der letzten
Jahre, und man darf sich auf die restlichen
Bände der Trilogie freuen.
Stefan
Meduna
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