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Im vorliegenden Band werden drei völlig voneinander unabhängige
Geschichten gebracht – ein Novum in dieser sehr langlebigen Serie.
Wurden bisher ganze Miniserien oder dickere Prestigealben gebracht,
so veröffentlicht man diesmal ausgezeichnete einzelne Prestigealben.
“Batman: The Man Who
Laughs“ kann als Neuinterpretation der zweiten Geschichte aus
US-Batman #1(Frühjahr 1940) betrachte werden. Hier hatte
der Joker seinen ersten Auftritt. (US-Batman #1 ist bei Panini/DC
Deutschland erschienen in der DC Museums Edition #1, Juli 2001)
Und aber auch als “Joker: Year One“ bezeichnen. Ed Brubaker erzählt
hier vom ersten Versuch des Jokers, sich an Gotham City für
sein erlittenes Unrecht zu rächen.
James Gordon ist noch
Captain und ein gewisser Jack Grogan ist Commissioner von Gotham
City. Und so knüpft Brubaker sehr geschickt auch an an die
Ereignisse von “Batman: Year One“ von Frank Miller – jene Geschichte,
die erstmals in US-Batman #404 - #407 (Feb. 1987 – Mai 1987) erschien
und die Origin von Batman neu definierte (dt. bei Carlsen und
später noch einmal bei Panini/DC Deutschland). Grogan wurde
erstmals auf der letzten Seite von “Batman: Year One“ erwähnt.
Noch eine Bemerkung: Hier ist es anders, als in “Batman:
Dark Victory“, denn bei Jeph Loeb folgt auf den Commissioner
Gillian B. Loeb direkt James Gordon. Commissioner Gillian B. Loeb
wird von Ed Brubaker ebenfalls im vorliegenden Werk erwähnt
- in einer Überschrift in der Gotham Gazette: "Commissioner
Loeb tritt nach Skandal zurück".
Brubaker knüpft also an diese
beiden wichtigen Ereignisse an und schreibt fort, was bisher so
noch nicht erzählt wurde. Die auftretenden Personen findet
man so auch mit Namen entweder in “Batman: Year One“ oder in der
titellosen Geschichte aus US-Batman #1 wieder. Auch auf die Origin
des Jokers als Red Hood wird eingegangen, die erstmals in US-DETECTIVE
COMICS #168, “The Man behind the Red Hood!“, Feb. 1951 von Bill
Finger erzählt wurde und später in epischer Breite von
Alan Moore in “Killing Joke" dargelegt wurde.
Zum Beginn der Ereignisse wird Gordon
zu einem verlassenen Gebäude gerufen, in denen ein Obdachloser
mehrere Leichen gefunden hatte. Die Leichen sind entsetzlich entstellt
und haben alle weiße Haut, grüne Haare und ein fürchterliches
Grinsen im Gesicht.
Gordon ist fassungslos und fragt sich, was mit Gotham City passiert
ist. Jetzt scheint zwar der Korruption und dem Mob in der Stadt
Einhalt geboten worden zu sein, aber jetzt will der Wahnsinn stattdessen
deren Platz einzunehmen. Überhaupt, die ganze Welt hat sich
verändert: Es soll sogar in Metropolis einen Super-Mann geben
und in Keystone einen Mann, der schneller rennt als der Schall.
Das Arkham Asylum ist gerade fertig renoviert - demnächst
sollen die Insassen des Williams Medical Center hier einziehen.
Live wird hiervon im Fernsehen berichtet, als die Reporterin anfängt
zu grinsen und ihre Haare grün und ihre Haut sich weiß
färben und sie schließlich tot umfällt. Der Joker
tritt auf und kündigt vor laufender Kamera den Mord Henry
Claridge, einem stadtbekannten Industriellen an. Und trotzt aller
polizeilicher Vorkehrungen kann der Joker seine Drohung wahr machen.
Auch Claridge stirbt mit weißer Haut, grünen Haaren
und einem Grinsen im Gesicht.
Spätestens nun weiß man, dass man einem Gegner gegenübersteht,
den man nicht unterschätzen darf. Auch seinen zweiten angedrohten
Mord kann er erwirken und Batman muss alle seine detektivischen
Fähigkeiten einsetzen, um den Joker zu finden und zu besiegen.
Es stellt sich heraus, dass die Toten am Anfang nur die Versuchsobjekte
des Jokers waren bei seiner Entwicklung seines Jokergiftes und
dass er vor hat, damit die Wasserversorgung der Stadt zu vergiften.
Brubaker ist in seinem Element. Kriminalgeschichten und Detektivabenteuer
sind sein Metier. Ist er doch der Autor der über Jahre die
monatlichen Storys für BATMAN und DETECTIVE COMICS lieferte.
Seine Anleihen in der Continuity sind ein Lesegenuss und bereichern
den Mythos des Batman um einige Facetten. Doug Mahnke liefert
dunkle und stimmige Bilder.
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Die zweite Story ist nicht minder interessant, wenngleich
auch sehr viel schneller zu lesen.
Der Joker wacht mitten in London auf: Voll gepumpt mit
Drogen und völlig desorientiert. Er schießt erst mal
ein paar Leute nieder und verschwindet spurlos. Wie ist er hierher
gekommen? Und noch schlimmer: Wie sieht er aus? Sein Mund ist
weg – zumindest ist er nicht mehr da, wo er sein sollte…?! Anstatt
vorne im Gesicht ist er hinten im Nacken. Das ist selbst für
den Joker zuviel.
Er wird zum Detektiven, für den es gilt einen Fall
zu lösen. Batman reist nach London und folgt der blutigen
Spur, die der Joker hinterlässt. Und Stück für
Stück kommt er ihm näher.
Die Lösung ist sehr unerwartet – denn hier hat ein
Geisteskranker mit einem anderen einen Deal geschlossen.
Die Zeichnungen – oder besser gesagt Gemälde - von
Altmeister John Bolton sind kleine Kunstwerke.
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In der dritten Geschichte erzählt die Autorin
Ann Nocenti (von ihr ist auch DC Premium #35 “Batman/Catwoman
– Waffenwahn“) gefühlvoll von den Problemen von Poison Ivy
die sie im Arkham Asylum quälen, als ein gewisser Dan Trimbel
(der reichste Mann von Gotham City) einen neuen Wolkenkratzer
– den höchsten! - baut und damit den Einfall des Sonnenlichtes
in ihre Zelle ihr nimmt. Ihre bahnbrechenden Arbeiten und Entwicklungen
mit neuen Pflanzenhybriden scheinen gefährdet. In Gotham
City passieren schlimme Dinge: Leute werden verrückt und
kommen zu Tode. Es stellt sich heraus, dass ein seltenes Pflanzengift
dafür verantwortlich ist. Batman schmuggelt Poison Ivy aus
Arkham und lässt sie an einem Gegengift forschen. Während
Batman ins Leichenschauhaus eilt um einen weiteren Toten zu begutachten
nutzt Poison die Gelegenheit und flieht. Aber vorher schafft sie
das scheinbar Unmögliche: Das Gegengift wird von ihren Lippen
abgesondert und ihr Kuss bedeutet die Rettung der Verlorenen.
Kaum scheint die Katastrophe abgewendet worden zu sein, wird Bruce
Wayne selbst durch eine ihm zugesandte Blume ebenfalls infiziert.
Jetzt scheint klar, was die Opfer miteinander verbindet: Sie alle
sind beim Bau vom Trimbel-Tower involviert! Bruce Wayne als Investor.
Und nun scheint für Batman auch der Fall klar zu sein, denn
er hat das Motiv und damit die Täterin. Aber ihm bleiben
nur noch zwei Stunden um Poison Ivy zu finden und sich den erlösenden
Kuss zu holen. Und er findet sie auf dem Trimbel-Tower zusammen
mit Trimbel selbst, der auch vergiftet ist. Poison Ivy stellt
ihn zur Rede und will ihn büßen lassen für seine
rücksichtslose Art – ihm ist egal, wem er durch sein rücksichtloses
Streben nach Macht und Prestige schadet.
Die Autorin stellt dieses Streben als typisch männlich
dar: “Ich will das höchste Hochhaus, das größte
Imperium die meiste Macht.“ Doch durch all dieses Streben nach
Größe und Gewaltigkeit ist gleich auch der Samen gelegt
für Ungleichgewicht und Umsturz. Batman sieht sich bestärkt
in seinem Verdacht, aber Poison Ivy erklärt, wer der wirkliche
Täter ist: Dr. Wood. Er möchte durch sein Tun sich bei
Ivy einschmeicheln um sie für sich zu gewinnen – er ist ihr
verfallen. Poison Ivys Charakterisierung durch die Autorin ist
sehr tief und tragisch, aber sehr klar und nachvollziehbar. Sie
stellt die Frau Poison Ivy als zutiefst tragische Gestalt dar,
die in ihrem Körper gefangen ist: Wärme und körperliche
Nähe sind ihr nicht erlaubt. Ihr Kuss ist tödlich. So
verführerisch, so intelligent aber dennoch unerreichbar.
Wood will sie therapieren, weil er sie nicht versteht und selbst
Nutzen daraus ziehen will. Denn dann könnte er sie endlich
küssen und sogar eine Familie mit ihr haben. Er hätte
Macht über sie, denn letztendlich liebt er sie nicht, sondern
nur sich selbst. Er ist der wahre Mörder, der am Ende ebenfalls
im Arkham Asylum einsitzen muss.
Auf dem Trimbel-Tower steht Batman Poison Ivy gegenüber
– er zaudert, ob er sie küssen soll, denn er weiß,
dass die Geküssten nach dem Kuss für einige Sekunden
besinnungslos sind. Was wird sie in der Zeit tun? Wird sie sie
nutzen, um ihn zu töten? Soll er sich ihr ausliefern? Er
könnte sie bewusstlos schlagen und dann küssen – er
wäre gerettet. Doch dann vertraut er ihr und sie küssen
sich. Doch Ivy lässt ihn vom Hochhaus fallen...
Er aber kann sich retten. Währenddessen haben
die gewaltigen Reben den Tower umwuchert und bringen ihn zum Einsturz.
Ivy stürzt nun ihrerseits ihrem sichern Tode entgegen. Doch
der wahre Held rettet die fallende Frau. Trimbel überlebt
ebenfalls, da die Ranken ihn festhalten. Er verspricht, den Tower
nicht wieder aufzubauen und erhält den rettenden Kuss. Ivy
kommt zurück nach Arkham in ihre Zelle doch noch eine weitere
Überraschung erwartet sie dort. Jemand hat der Anstalt viel
Geld gegeben, damit Ivy eine neue Zelle bekommt mit noch mehr
Licht: Ivy weiß, wem sie dafür danken muss.
Die Geschichte ist nicht ganz in der aktuellen Continuity
angesiedet, denn Ann Nocenti nimmt sich ihre Freiheit die Figuren
des Batman-Universums “freier“ zu sehen: So sind Pinguin und Catwoman
als Insassen des Arkham Asylums in cameo-Aufritten zu erkennen;
obwohl dieses bisher nie so dargestellt wurde. John Van Fleet
hat wieder großartige Bilder komponiert (von ihm ist auch
DC Premium #18, “Batman: Der heilige Gral“ und DC Premium #21,
“Batman: Das Ankh“). Seine Collagen verwenden Fotos, Zeichnungen
– seine Farben sind reichlich, aber gediegen. Ivy schön und
sinnlich.
Man sieht, drei sehr unterschiedliche Geschichten;
was allen Dreien aber gemeinsam ist, ist das außergewöhnliche
Artwork und dass alle sehr spannend zu lesen sind und von hervorragenden
Autoren sind.
Norbert Elbers
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