1949 veröffentlichte Dr. Alfred
Kinsey seinen Report “Das sexuelle Verhalten des Mannes“. Nachdem
er über eine Million Gallwespen gesammelt und analysiert hatte,
versuchte der Biologe Kinsey anhand zahlreicher Interviews herauszufinden,
wie - fernab der offiziellen keuschen Moral - US-Amerikaner seine
Sexualität tatsächlich auslebt.
Das Resultat wurde entsetzt aufgenommen
und heftig angefochten. Außerehelicher Verkehr oder homosexuelle
Erfahrungen (oder ländlicher Sex mit Tieren) waren laut Kinsey
eher die Regel als die Ausnahme. Obwohl der “Kinsey Report“ zu einem
Bestseller wurde, hatte dessen Autor Zeit seines Lebens große
Schwierigkeiten seine weiteren Forschungen zu finanzieren.
Bill Condon (“Gods
and Monsters“) hat Kinseys Leben und Werk zu einem nicht voll
befriedigenden Film verarbeitet. Der Auftakt ist ziemlich grandios
und zeigt wie Alfed Kinsey seinen eigenen Test ablegt. Hier wird
zugleich das ausgetüftelte Fragebogen- und Befragungssystem sowie
die verklemmte Moral aus Kinseys Jugend schlüssig visualisiert.
Doch der weitere Verlauf des Filmes ist dann eher konventionell
im Stile einschlägiger TV-Biografien gehalten. Liam Neeson agiert
in der Hauptrolle eher unschlüssig wenn nicht gar unbeteiligt und
Tim Curry als konservativen Professor sexuelle Enthaltsamkeit predigen
zu lassen ist auch nicht so schrecklich hilfreich. Wir empfehlen
zur Vertiefung des Themas daher eher das interessant gestaltete
Begleitbuch zum Film, das durch zahlreiche höchst unterschiedliche
Beiträge ein deutlich runderes Bild Kinseys bietet.
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